Vernissage mit Ex-Greenpeace-Aktivist

Besetzer der Öl-Plattform Brent Spar bei der Ausstellung„Grenzüberschreitungen“

24.05.23

Neuhaus am Inn. Erhard Steinhaus, ehemaliger Greenpeace-Aktivist, wird am 1. Juni bei der Eröffnung der Foto-Ausstellung „Grenzüberschreitungen“ in der Rathausgalerie Neuhaus am Inn von Protestaktionen der Umweltorganisation berichten. Der inzwischen 76-Jährige hatte 1995 zusammen mit einer Handvoll Gleichgesinnter die Öl-Plattform Brent Spar besetzt, die der Öl-Konzern Shell im Atlantik als Müll versenken wollte. Greenpeace erzeugte mit der Aktion so großen öffentlichen Druck, dass der mächtige Konzern in die Knie ging, auf seine Pläne verzichtete und die Plattform sauber an Land zerlegen musste. Steinhaus war professioneller Kletterer, hing schon am Arc de Triomphe in Paris und kam wegen Umweltprotesten auf dem roten Platz in Moskau ins Gefängnis.

Proteste sind ein Thema der Ausstellung mit Fotos aus den 1980er Jahren, geschossen von Dirk Wildt, der in dieser Zeit als Pressefotograf vor allem in Norddeutschland, Berlin und der Schweiz unterwegs war. Er hat Aktionen von Greenpeace auf der Hamburger Elbe dokumentiert, bei denen verhindert werden sollte, dass Müll auf hoher See ungefiltert verbrannt und Giftschlamm in die Nordsee gekippt wird.

Ein anderes Thema ist die Anti-AKW-Bewegung: Ein Bild zeigt ein Paar, das sich über einer Autobahn bei Lübeck von einer Brücke abseilt, um einen Atommüll-Transport zu stoppen. Ein weiterer Schwerpunkt der Ausstellung ist der Mauerfall. Eine Fotografie zeigt die Hoffnungen der DDR-Bürger bei der ersten freien Volkskammer-Wahl 1990 in Ost-Berlin auf ein neues demokratisches System. Es geht auch um Flüchtlinge, Aus- und Übersiedler, Hausbesetzer und um eine Landtagswahl mit tödlichem Ausgang.

„Es geht um Grenzüberschreitungen in verschiedensten Formen“, sagt der ehemalige Pressefotograf, und fragt im Katalog zur Ausstellung: „Welche scheinen erfreulich, welche tolerabel, welche inakzeptabel und welche unverzichtbar? Spannende Fragen in einer Zeit, in der wir auf unserem Planeten mit Vollgas in die Klimakatastrophe rasen.“

Eröffnet wird die Ausstellung am 1. Juni um 18 Uhr in der Rathausgalerie von Bürgermeister Stephan Dorn. Ein Grußwort kommt von Claudia Roth, Staatsministerin für Kultur und Medien der Bundesregierung. Wildt lebt mit seiner Familie seit zehn Jahren in Neuhaus am Inn und arbeitet als Software-Entwickler.

− red

Passauer Neue Presse, 24. Mai 2023 https://www.pnp.de/print/lokales/stadt-und-landkreis-passau/passau-land/vernissage-mit-ex-aktivist-11254211

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