• "Die allerschönsten Marienlieder" musizieren Sebastian Myrus (v.l.), Monika Drasch und Johann Zeller hier in Neuhaus. – Foto: Würdinger
    "Die allerschönsten Marienlieder" musizieren Sebastian Myrus (v.l.), Monika Drasch und Johann Zeller hier in Neuhaus. – Foto: Würdinger

Wie fromm samma denn?

Monika Drasch singt Marienlieder in der restaurierten Kirche auf der Neuhauser Insel im Inn

16. Sep. 2019 –

Was im 14. Jahrhundert als Bollwerk zum Schutz der Innbrücke diente, wurde im 18. Jahrhundert umgebaut zum Rokoko-Prachtstück: Nach dem Hochwasser von 2013 ist Schloss Neuhaus samt der luftig hellen neobarocken Kirche nun renoviert. Unterstützt vom überaus musikliebenden Pfarrer Hans Würdinger bespielt der örtliche Kulturverein den schmucken Raum – so am Freitagabend mit einem thematisch und musikalisch interessanten Konzert.

Die Hengersberger Volksmusikantin Monika Drasch, diese Synthese aus Pippi Langstrumpf, Pumuckl, Urg’wachs und sensibler Künstlerin, ist auf Tour mit ihrem Programm "Oh Maria Heimatland", am Sonntag gab sie auch ein Heimspiel in Hengersberg. Mit Johann Zeller am Akkordeon und dem kurzfristig eingesprungenen, Windsbacher-geschulten Bariton Sebastian Myrus singt sie, sich selbst mit Flöte, Zither und ihrer ikonischen grünen Geige begleitend, "die allerschönsten Marienlieder". Und das geht vom Dudelsack-untermalten klassischen "Salve Regina" beim Einzug direkt zu "Meerstern, ich dich grüße" – und die Menschen in der vollen Kirche schmettern mit einer Inbrunst mit, dass es eine Freud’ ist. Myrus’ klassisch-lyrisches Organ und Draschs schlanke Naturstimme bilden einen reizvollen Kontrast, ihre Geige führt Drasch so schnörkellos wie den Gesang. "Singts amoi mid!", fordert sie auf, und schon schallt der "Dreifaltigkeitsjodler" durch den Raum. Mal ganz innerlich leise, mal im fröhlichen Instrumentalwalzer entfaltet sich das Programm. Mal traditionell, mal frei und neu vertont und arrangiert. Bayerische Volksmusik ist bei Drasch immer ein Aspekt europäischer Weltmusik.

Damit’s nicht zu fromm wird, streut Autor Gerd Holzheimer Geschichten ein: über den von der Kirche mit Macht unterbundenen Marienspuk im fränkischen Heroldsbach, über die tiefgläubige und doch anarchistische Oma. Betont Intellektuelles mischt er bedenkenlos mit zotigen Jungfrau-und-Weißwurst-Pointen.

Wie gelungen und würdig einer die Mixtur aus Frömmigkeit und Ironie findet, hängt wohl von der je eigenen Antwort auf die Frage ab: Wie fromm samma denn? Pfarrer Würdinger sagt: Fromme Katholiken machen gern mal einen Schlenker hinaus, und kehren danach genauso fromm zurück. Wenn das keine Absolution ist!

Raimund Meisenberger

Quelle: Passauer Neue Presse vom 16. September 2019
Wir danken der PNP für die freundliche Genehmigung der kostenlosen Nutzungsrechte auf unserer Website.

« Zurück | Nachrichten »