• "Mantje Mantje timpe-te": Der Fischer trägt den Butt – als "Kopfkuppe" von Annika Pilstl – die maßlosen Wünsche seiner Frau vor. Und am Ende bleibt nichts. – Foto: Würdinger
    "Mantje Mantje timpe-te": Der Fischer trägt den Butt – als "Kopfkuppe" von Annika Pilstl – die maßlosen Wünsche seiner Frau vor. Und am Ende bleibt nichts. – Foto: Würdinger

Wenn Wünsche zu maßlos werden

Puppenspiel-Premiere im Festsaal der Realschule Neuhaus

27. Jun. 2019 –

Neuhaus am Inn. Es ist eine uralte Geschichte, das Streben des Menschen nach immer mehr – das hat schon im biblischen Paradies angefangen und geht bis in die Politik und Wirtschaft im 21. Jahrhundert. Darum ist das Märchen "Vom Fischer und seiner Frau" immer noch zeitgemäß, denn es erzählt von der menschlichen Maßlosigkeit, die aber irgendwann an Grenzen stößt.

Es ist die Geschichte von dem Butt, der, vom Angelhaken befreit, Wünsche erfüllen kann und soll: "Meine Frau, die Ilsebill, will nicht so als ich wohl will." Ihre Neuinterpretation auf der Puppenspielbühne erlebte mit Unterstützung des Kulturfördervereins Neuhaus im Festsaal der Maria-Ward-Realschule vor rund 200 großen und kleinen Zuschauern eine viel umjubelte Premiere.

Annika Pilstl stellt diese alte Geschichte von den Wünschen, die nie genug sind, als spannendes, unterhaltsames und zugleich zum Nachdenken anregendes Puppenspiel dar, mit den zauberhaften Puppen von Udo Schneeweiß, vor einer fantasievollen Video-Kulisse von Hans Joachim Blach und vor allem mit einer mitreißenden, die Erzählung und das Spiel mit starkem musikalischem Ausdruck begleitenden Bühnenmusik.

Schauspielerin und Puppe werden zu einer Einheit

Da bewegen sich die Wellen des Meeres, da flattern Möwen, da blitzt und donnert es, und am Ende kommt der Butt auf der Videowand mit riesigem Maul auf den Fischer zu. Das Blockflötenorchester der Städtischen Musikschule und der Kreismusikschule Passau, mit viel Einfühlung in die Spielhandlung geleitet von Heidrun Pontz, bewirkt klangliche Verwandlungen, schafft starke Atmosphären, unterstreicht die Dramatik des Geschehens und lenkt den Blick immer wieder auf die Mitte der Bühne, den kleinen runden Spieltisch.

Hier ereignet sich mit Hilfe der Bewegungen von Annika Pilstl die Begegnung des Fischers mit dem Butt, hier ringt der Fischer mit seiner maßlosen Frau Ilsebill um die Erfüllung ihrer Wünsche, hier wandelt sich die kleine Fischerhütte mit wenigen Handgriffen zum Königsschloss. Die Auswahl der Musik, vielfach zauberhafte Barockwerke, ist sehr genau auf das Spiel abgestimmt, von den Blockflötenspielern mit viel Konzentration umgesetzt, vor allem auch in den Dissonanzen am Ende des Märchens, als sich die Wünsche der Ilsebill alle in Nichts auflösen.

Annika Pilstl und die Regisseurin Christine Stahl sind immer wieder für Überraschungen gut. Die Schauspielerin aus Vornbach kann mit Stimme, Körperhaltung, Blick und Ausdruck große und kleine Zuschauer in Windeseile mitnehmen in die Märchenwelt der Fantasie, sie kann mit wenigen Requisiten, mit kleinen, sehr passgenauen Bewegungen und Gesten Traumwelten aufbauen und starke Spannung erzeugen. Geradezu fantastisch wird das Spiel, wenn der Butt von Annika Pilstl als "Kopf-Puppe" bewegt wird, wenn Schauspielerin und Puppe zu einer Einheit werden.

Mit viel Geist, Fantasie und Witz wird hier eine Geschichte so lebendig, dass sie die Zuschauenden einfach berührt, fesselt, selbst wenn ihr Ausgang als Märchen vielen im Publikum noch vertraut ist. − wü

Quelle: Passauer Neue Presse vom 27. Juni 2019
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