• Die Protagonisten Paul Leenhouts (v.r.) mit der Blockflöte, Stephan Lochbaum mit der Gitarre und Annika Pilstl trugen die Zuhörenden auf den Wellen der Musik "in Richtung Meer". – Foto: Würdinger
    Die Protagonisten Paul Leenhouts (v.r.) mit der Blockflöte, Stephan Lochbaum mit der Gitarre und Annika Pilstl trugen die Zuhörenden auf den Wellen der Musik "in Richtung Meer". – Foto: Würdinger

Wenn die Wellen der Musik "in Richtung Meer" tragen

Besonderes Konzert in der ehemaligen Klosterkirche auf der Insel im Inn

05. Jun. 2019 –

Neuhaus am Inn. Draußen floss der Inn, umspülte die Insel mit dem ehemaligen Kloster und der Klosterkirche, das Wasser zog ruhig seine Bahn – in der Kirche auf der Insel im Inn wurden die Zuhörer bei einem wahrlich außergewöhnlichen Konzert mitgenommen auf den leisen Wellen der Musik – und der Weg führte, so der Titel des vom Kulturförderverein Neuhaus veranstalteten Abends "in Richtung Meer".

Wenn mit Paul Leenhouts auf den Blockflöten und Stephen Lochbaum auf der Gitarre zwei wahre Virtuosen mit ihren Instrumenten zusammenspielen, dann entstehen zarte, dicht gewebte, und doch unendlich weit erscheinende Klangbilder, manchmal archaisch, aus ungeahnten Tiefen aufsteigend, manchmal sehr gegenwärtig und sinnlich, dann löst sich die Musik aus Zeit und Raum und dringt einfach tief in die Seele der Hörenden ein. Weit spannte sich der musikalische Bogen, weit wie das Meer, weit trugen in musikalischen Klangbildern die Wellen, zart spülte die Gischt, dicht fielen Regentropfen und versanken in der Unendlichkeit des Wassers.

Paul Leenhouts, der in Texas und an vielen anderen Universitäten lehrende Blockflötenvirtuose, zeichnete präziseste musikalische Miniaturen, die durch die Gitarre von Stephen Lochbaum, dem in Oklohoma City lehrenden Meistergitarristen, Rahmen und Farbe, Kontur und Kontrast bekamen. Die Zuhörenden waren zu höchster Konzentration gefordert, mussten sich für neue Klangwelten öffnen, denn galicische und englische Musik aus dem 13. Jahrhundert wurde mit zeitgenössischen Kompositionen verbunden, und hier öffnete sich der Blick in die Weite des Meeres, wenn die Klangreise nach Kanada führte oder – in einer Uraufführung – "On The Ferry to Stockholm", komponiert von dem Russen Arsentiy Kharitonov, wenn die Reise in den Fernen Osten ging, zu einem "Chinesischen Bild" des Südkoreaners Isang Yun oder wenn der Japaner Tru Takemitsu in Anklängen an den Roman "Moby Dick" das Meer als die unendliche Heimat eines Wals beschreibt. Paul Leenhouts hatte ein hoch anspruchsvolles musikalisches Programm erarbeitet, das Weiten und Tiefen auslotete und das in die Urgründe des Wassers als lebenspendende Kraft vordrang.

Musik und Wort wurden zu einer Einheit, zur Ergänzung, zur Vertiefung, und dazu trug die in Vornbach lebende Schauspielerin Annika Pilstl mit einer atemberaubend dichten Sprachpräsenz bei. Sie zog die Linien mit den Gedichten und Gedanken weiter, die den Musikstücken beigeordnet waren. Dabei wurde nichts zerredet, es wurde unterstrichen, pointiert, es gab musikalischen Klang und sprachliches Echo oder aus der Sprachdichte wie eine Quelle hervorsprudelnde, sich immer weiter ausbreitende Klangmusik, die den ganzen Raum der wieder hergestellten, selbst vom Hochwasser schwer geschädigten ehemaligen Klosterkirche ausfüllte.

Weltweit ging die Klangreise, bis an die Strände von Südamerika, Paraguay und Brasilien – hier zeigte Stephen Lochbaum seine absolute Meisterschaft auf der Gitarre. Vom Ufer eines Flusses in Frankreich führte die Reise zu einem kleinen, von Paul Leenhouts komponierten "Zwischenhalt" auf der Innbrücke und am Ende führte sie – mit viel Sprachwitz von Annika Pilstl begleitet, über die schottische Küste ans Ziel – in Richtung Meer. −

Quelle: Passauer Neue Presse vom 5. Juni 2019
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