• Der Gurkenkönig versucht, die Familie Hogelmann zu beeinflussen – spannend dargestellt von den Puppenspielern (v.l.) Manfredi Siragusa, Gerti Tröbinger und Adrea Taglinger. | Foto. Würdinger
    Der Gurkenkönig versucht, die Familie Hogelmann zu beeinflussen – spannend dargestellt von den Puppenspielern (v.l.) Manfredi Siragusa, Gerti Tröbinger und Adrea Taglinger. | Foto. Würdinger

Sieg der Freien über den Mächtigen

Figurentheater "Wir pfeifen auf den Gurkenkönig" in der Realschule Neuhaus

21. Okt. 2020 –

Neuhaus am Inn. Wie geht Demokratie und wie wertvoll ist sie für das menschliche Zusammenleben? Was allwöchentlich in den Berichten aus Belarus zu sehen ist, wurde auf faszinierend einfache Weise auf der Bühne im Festsaal der Maria Ward Realschule in Neuhaus gezeigt. Der Kulturförderverein Neuhaus hatte dazu das Figurentheater "Wir pfeifen auf den Gurkenkönig" im Rahmen der Wochen "Wozu Demokratie" eingeladen.

Es vermittelte spielerisch, wie schnell Herrschende die Macht an sich reißen können und Mitläufer finden. Drei großartige Puppenspieler, Gerti Tröbinger aus St. Georgen a.d. Gusen (OÖ.), die aus Estland stammende Andra Taglinger und der in Palermo geborene Manfredi Siragusa spielten die hintergründige Geschichte nach dem Roman von Christine Nöstlinger, die dafür 1973 den Deutschen Jugendliteraturpreis bekam. Das sehr sorgfältig durchdachte Bühnenbild, drei fahrbare Tische mit Schubladen, ein einfach zusammenzubauendes Puppenhaus, erzeugte in der Fantasie der Zuschauer schnell eine dichte Spannung. Dazu kamen die Puppen, teils einfach mit der Hand gespielt – zwar starr, aber irgendwie doch lebendig: die Familie Hogelmann mit Vater, Mutter und den Kindern Wolfgang, Martina und Nicki, dennoch gegenüber dem Monster "Gurkenkönig" buchstäblich farblos. So entstand ein deutliches Gegenüber, der Gurkenkönig als der Gewaltherrscher und die längst nicht immer einige Familie, die sich dann auch noch in zwei Lager spaltete: für und gegen den fantastischen Besucher, den Herrscher über die Kumi-Ori, der von seinen Untertanen aus dem Keller vertrieben worden war. Das Volk – im Spiel in Gurkengläsern daheim – wollte keinen Herrscher, der nur an sein eigenes Wohlergehen denkt. Der Gurkenkönig aber kann Vater Hogelmann für sich gewinnen, hat aber nicht mit der Macht der starken Gemeinschaft gerechnet: Die Kinder nehmen die Sache auf ihre Weise in die Hand und können den Machthaber in seine Schranken weisen.

Neu in der Geschichte ist die Puppe Mustafa – der Freund von Martina, der wegen seiner türkischen Abstammung nicht gleich in der Idealfamilie Hogelmann willkommen war. Gerti Tröbinger will helfen, altbekannte Vorurteile gegenüber Fremden abzubauen. Besonders lebendig wurde das Spiel der drei Akteure unter Regie von Annika Pilstl durch die vielen Geräusche, die vor allem Manfredi Siragusa erzeugte: auf unterschiedlichsten fantasievollen Instrumenten, aber auch ganz einfach mit dem Körper. Akzente setzten auch die Musikinstrumente: Gerti Tröbinger auf dem Saxofon, Manfredi Siragusa auf dem Akkordeon und Andra Taglinger auf der Violine. − wü

Quelle: Passauer Neue Presse vom 21. Oktober 2020
Wir danken der PNP für die freundliche Genehmigung der kostenlosen Nutzungsrechte auf unserer Website.

« Zurück | Nachrichten »