• Liedermacher Horst Eberl kämpft mit virtuos gespielter Gitarre und scharfer Zunge gegen die Tücken des Alltags. | Foto: Würdinger
    Liedermacher Horst Eberl kämpft mit virtuos gespielter Gitarre und scharfer Zunge gegen die Tücken des Alltags. | Foto: Würdinger

Nonsens in Vollendung

Geistvoller Kehraus mit dem Liedermacher Horst Eberl

09. Mär. 2019 –

Vornbach. Das Leben kann zum Lachen sein – auch bei großen und kleinen Krisen, Peinlichkeiten und Problemen. Lachen über die Tücken des Lebens, über die manchmal recht zweifelhaften Auswüchse des Zeitgeistes, dass konnten die Zuhörer beim traditionellen Kehraus am Faschingsdienstag in Vornbach lernen. Der Kulturförderverein hatte dazu Horst Eberl eingeladen, einen Liedermacher aus Pleiskirchen, der seine Lieder wirklich noch in klassischer Hand- und Hirnarbeit macht, der auch wirklich weiß, wovon er singt und auch mit viel hintersinnigem, manchmal boshaftem, aber nie beleidigendem Witz erzählt.

Da gibt es auch einmal einfach erfrischend geistreichen Blödsinn, Wortspielereien und Neu-Umschreibungen wie "Telefonzelle – das war ein begehbares Handy", denn der einstige Musiklehrer schaut gern einmal auf die scheinbar so gute alte Zeit zurück, die von den Jungen heute nicht mehr verstanden wird, bei den Älteren im Publikum aber sofort Erinnerungen weckt – etwa an den Kaugummiautomaten, in dem es für ein Zehnerl einen Kaugummi gab oder an den Sendeschluss im Fernsehen mit Testbild und "Schneegeriesel", nur abzuschalten mit der "Fernbedienung" in Person des Buben, der die Knöpfe am Gerät drücken musste.

Das Familienleben und dessen Veränderung im Lauf der Jahre, das ist für Horst Eberl ein breit angelegter Hintergrund, vor dem er seine Gedankenspielereien entwickelt, ob das die Ehekrisen beim Hosenkauf sind, bei dem letztlich die Ehefrau einen Haufen neue Kleidung kauft, weil grad "Sale" ist, Sonderangebot gewissermaßen, oder die Probleme, die für ein Kind entstehen, wenn es die Eltern zum Musikunterricht anmelden – aber eigentlich für die Jaqueline gar keine Zeit bleibt zwischen Judo, Reiten, Tennis und Psychotherapie-Sitzung. Horst Eberl singt von den Sorgen der Mütter und die "Kindheit heit". Daneben gibt es eben viel Nonsens in höchster Vollendung, vor allem mit ganz speziellem Englisch: Da heißt dann "good buy" natürlich anders geschrieben als "good bye" "kauf gut ein", oder der frühere US-Präsident George Bush wird zum "Georg Strauch" oder auf Bayerisch zum "Stauden Schorsch". Da muss ein Zuhörer schon einmal um die Ecke denken, wenn Eberl die Oper "Carmen" als "Auto-Männer" aus dem Englischen übersetzt.

Horst Eberl hat seine liebe Not mit der Gedankenlosigkeit seiner Zeitgenossen und er kann sich darüber nur musikalisch heftig aufregen: "Was ich mag und was ich liebe" – dazu gehören Autofahrer, die zwei Parkplätze belegen und – das war eigentlich der Anfang seiner Liedermacherkarriere – Golfspieler, die sich auf dem Golfgreen kräftig aufplustern und dann doch das Loch nicht treffen. Aber Eberl muss auch feststellen: Sein Verhalten mitten im manchmal recht chaotischen Alltag ist "wia bei alle andern aa", und er muss zugeben: "I raff’s net, i schaff’s net", wenn es um Pünktlichkeit geht, denn irgendwas ist immer im Weg. Dass er aber dennoch auch auf der Höhe der Zeit, zeigt seine alles schlagende Erkenntnis: "Hab’s gegoogelt", und das hilft ihm, wenn es um "modern German" mit den ganzen so sinnlos scheinenden Anglizismen geht oder nur um die richtige Behandlung seines Oberschenkelbruches mit anschließender Reha, natürlich für einen Mann wie Horst Eberl nicht ganz ohne Tücken des Lebens.

Lockere, geistreiche Sprüche, Geschichten aus dem Alltag, die jeder aus eigenem Erleben kennt oder wenigstens weiß, dass sie andere Leute so erlebt haben, begleitet von virtuoser Gitarrenmusik – Hannes Wader, Reinhard Mey und Fredl Fesl könnten "Paten" sein, das gibt ein Programm, das auf den ersten Blick ungemein witzig unterhält, das aber auch dem Publikum einen blitzenden Spiegel vors Gesicht hält – und wer da reinschaut und über eigene Verhaltensmuster noch herzhaft lachen kann, der hat von Horst Eberl eine Lektion an Humor gelernt, die einfach nur gut tut mitten in all den vermeidlichen und unvermeidlichen Wirren und Tücken des Alltags.

Dr. Hans Würdinger

Quelle: Passauer Neue Presse vom 19.03.2019
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