• Vor imposanter Kulisse in der einstigen Klosterkirche in Vornbach präsentierte das Heinrich-Schütz-Ensemble vielstimmige und vor allem anspruchsvolle Werke. − Foto: Toni Scholz
    Vor imposanter Kulisse in der einstigen Klosterkirche in Vornbach präsentierte das Heinrich-Schütz-Ensemble vielstimmige und vor allem anspruchsvolle Werke. − Foto: Toni Scholz
  • Taktgeber: Martin Steidler gründete das Heinrich-Schütz-Ensemble Vornbach und leitet es bis heute. - Foto: Toni Scholz
    Taktgeber: Martin Steidler gründete das Heinrich-Schütz-Ensemble Vornbach und leitet es bis heute. - Foto: Toni Scholz
  • Begrüßungsworte sprach Daniel Benker, Vorsitzender des Vereins hinter dem Ensemble. - Foto: Toni Scholz
    Begrüßungsworte sprach Daniel Benker, Vorsitzender des Vereins hinter dem Ensemble. - Foto: Toni Scholz
  • Die Solostimmen brillierten im temporeichen und musikalisch leuchtend-farbigen Wechsel mit dem Chor. - Foto: Toni Scholz
    Die Solostimmen brillierten im temporeichen und musikalisch leuchtend-farbigen Wechsel mit dem Chor. - Foto: Toni Scholz

Musik zwischen Lebenslust und Erlösungshoffnung

Barockes Festkonzert eröffnet des Jubiläum des Heinrich-Schütz-Ensembles Vornbach – Heute folgt die "Nacht der Vokalensembles"

17. Aug. 2018 –

Vornbach. Was für ein gewaltiger Auftakt zum Jubiläum! Das Heinrich-Schütz-Ensemble Vornbach feiert sein 25-jähriges Bestehen am Ort seiner Gründung und füllt die barocke einstige Klosterkirche mit prachtvoller Musik von Heinrich Ignaz Franz Biber (1644-1704), dem Salzburger Hofkomponisten des Fürstbischofs, und dessen Zeitgenossen und musikalischen Nachbarn am Hof des Passauer Fürstbischofs, Georg Muffat (1653-1704) – vielstimmige Werke, die wegen ihrer hohen Ansprüche an Sänger und Musiker nicht oft zu hören sind und in denen barocke Lebensfreude mit tiefer Religiosität verbunden ist.

Acht Solisten und ein stimmgewaltiger Chor

Die "Vesperae à 32" von Heinrich Ignaz Franz Biber und Muffats "Missa In Labore Requies" schienen wie geschaffen für den barocken Kirchenraum in Vornbach, der durch seine großartige Akustik der Musik noch einen ganz besonderen Glanz geben kann. Martin Steidler, der Gründer und Leiter des Heinrich-Schütz-Ensembles, führte seinen Chor mit höchster Akkuratesse durch die anspruchsvollen Wechsel von Gesamtensemble und Solisten, setzte höchst präzise die von Muffat bestimmten Tempi, die dem Gesamtwerk bis zum letzten Ton eine Dichte und anhaltende Spannung verleihen.

Den Auftakt allerdings bildete der Psalm 110 "Dixit Dominus" aus der Vesper von Heinrich Ignaz Franz Biber, und schon nach wenigen Takten war die ganze Kraft der barocken Hofmusik spürbar. Die acht Solostimmen standen im temporeichen und musikalisch leuchtend-farbigen Wechsel mit dem Chor, der, dem Psalmtext folgend, die Macht und Gewalt Gottes in Stimmgewalt umsetzte.

Rundum brillant war die Doppelbesetzung der Solostimmen: Helene Grabitzky und Maria Weber übernahmen den Sopranpart, die jungen Tenöre Matthias Deger und Joachim Roth sowie die Bassisten Marlo Honselmann und Eric Ander trugen ihre Stimmen mit absoluter Präsenz. Die Überraschung des Konzert allerdings bildete der doppelt besetzte Altus von Stefan Steinemann und Yosemeh Adjei, die den besonderen Klang der barocken Aufführungspraxis nachhaltig unterstrichen. Ungewohnt klang darum auch das Magnificat aus der Vesper, eingeleitet vom Wechsel zwischen Altus und Sopran, geweitet in die prachtvolle Stimmfülle des Chors.

Das großartig musizierende Ensemble L’arpa festante, das schon mehrfach mit dem Heinrich-Schütz-Ensemble zu hören war, verband den instrumentalen Klang mit den Vokalchören zu einer barock-bunten und lebensfrohen Einheit. Die "Missa In Labore Requies", möglicherweise 1690 zur Priester- und Bischofsweihe des Passauer Fürstbischofs Johann Philipp von Lamberg aufgeführt, ist mehr als liturgische Musik, sie ist auch eine Art Glaubensbekenntnis in allen ihren musikalischen Teilen. Mag auch das "Kyrie eleison" noch verhalten von den doppelt besetzten Solostimmen getragen sein, so zeigte sich im "Gloria" die ganze, den Zuhörenden ergreifende barocke Vielstimmigkeit, die auch an den Chor gewaltige Ansprüche stellte. Barocke Frömmigkeit, wie sie Muffat in seiner Messe erklingen lässt, ist auf die Endzeit ausgerichtet, die Wiederkunft Jesu Christi, wie sie im "Credo" ausgesprochen und in die Stimmen des Chores übertragen wird. Das wird zur tief bewegenden Hoffnungsmusik, ein Blick in den offenen Himmel, wie ihn die Barockkirchen, auch Vornbach, in ihren Deckengemälden vor Augen stellen. Gewaltiger Schlusspunkt des Chors ist das große "Amen", in dem das Glaubensbekenntnis noch einmal von allen Stimmen zusammengefasst wird.

Weitere Höhepunkte folgen am Wochenende

Barocke Frömmigkeit zeigte sich auch in der klanglichen Dichte des "Hosanna", mit dem das "Sanctus" in einen jubelnden Lobgesang mündet und vor allem auch im sehnsuchtsvollen Ruf nach Frieden, dem "Dona nobis pacem", das als Schlusspunkt am Ende des "Agnus Dei" in den Zuhörenden noch einmal die starke Spannung zwischen Lebenslust und Erlösungshoffnung spürbar machte.

Es war ein wahrhaft gewaltiges Werk, mit dem das Heinrich-Schütz-Ensemble den bis auf den letzten Platz besetzten Kirchenraum in Vornbach ausfüllte, und mehr als deutlich war die große Leidenschaft für die Musik beim vielstimmigen Chor zu spüren, bei den brillanten Instrumentalisten, den mit ihrer dichten Stimmgewalt begeisternden Solisten und nicht zuletzt bei Rudi Bürgermeister, der auf der Egedacher-Orgel den Hintergrund bildete.

Am heutigen Freitagabend geht das Jubiläum weiter mit der "Nacht der Vokalensembles", bei der um 21.30 Uhr in der Vornbacher Pfarrkirche das Leonhard-Paminger-Ensemble und das StimmGold Vokalensemble aus Regensburg zu hören sein wird, zwei Ensembles, denen auch Sängerinnen und Sänger aus dem Heinrich-Schütz-Ensemble angehören. Morgen und am Sonntag steht mit dem "Sommernachtstraum" und der "Ersten Walpurgisnacht" von Felix Mendelssohn-Bartholdy ein besonderer Höhepunkt auf dem Programm.

Dr. Hans Würdinger

Quelle: Passauer Neue Presse vom 17.08.2018
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