• Daniel Koschitzki (links) und Andrea Ritter begeisterten ihr Publikum in Neuhaus mit einem bis zum letzten Ton spannenden musikalischen Dialog zwischen Piano und Blockflöten. | Foto: Würdinger
    Daniel Koschitzki (links) und Andrea Ritter begeisterten ihr Publikum in Neuhaus mit einem bis zum letzten Ton spannenden musikalischen Dialog zwischen Piano und Blockflöten. | Foto: Würdinger

Flüge durch Raum und Zeit

Dialoge von Blockflöte und Piano – Andrea Ritter und Daniel Koschitzki entführen ins "Bird’s Paradise"

21. Okt. 2019 –

Neuhaus am Inn. Das englische Wort für Blockflöte ist "Recorder" – und das gibt wieder, was im Festsaal der Maria Ward-Realschule in Neuhaus zu hören war: Blockflötenklänge als Ausdruck von Vogelstimmen, "Flötengezwitscher", aber alles andere als einfach so "nebenbei" gespielt, sondern mit Virtuosität, in spannendem Dialog zum Piano, das den Hintergrund für das Vogelparadies gab, ein "Bird’s Paradise", das die Zuhörenden vom ersten Ton an umfing und bis zum Ende nicht mehr losließ.

Auf Einladung des Kulturfördervereins Neuhaus spielten Andrea Ritter und Daniel Koschitzki Flötenmusik aus der Barockzeit teilweise neu, mit viel Fantasie für Blockflöte und Piano neu arrangiert, vor allem aber auch sehr zeitgenössische Werke aus dem 20. und 21. Jahrhundert. Andrea Ritter stammt aus Passau und hat bei Inge Reinelt an der Städtischen Musikschule ihre erste Flötenausbildung erhalten. Inzwischen ist sie vielfach mit Preisen ausgezeichnet, auf vielen Konzertbühnen in Europa und weit darüber hinaus daheim.

Klänge aus dem Barock bis zur heutigen Zeit

Mit Daniel Koschitzki fand sie beim Studium in Karlsruhe einen Partner, der sowohl als Pianist als auch auf der Blockflöte international höchst angesehen ist. Mit dem Ensemble "Spark" eroberten sie sich die internationalen Konzertbühnen. Nach dem zauberhaften Konzert in Neuhaus, wo sie vor allem auch einen Tag in der Landschaft am Inn als besondere Inspiration genießen konnten, ging die Reise der beiden großartigen Musiker am nächsten Tag weiter an die Philharmonie in Essen.

Es war ein Konzert mit dem atemberaubend schnellen Flügelschlag des Kolibris, mit dem lockenden Gesang des Kanarienvogels und dem hellen Ruf des Kuckucks, mit der Sonate von Johann Sebastian Bach in g-moll, ursprünglich für Cembalo und Querflöte komponiert, aber durch Daniel Koschitzki auf dem Klavier und Andrea Ritter auf der Blockflöte zu einer ganz neuen Klangvielfalt verdichtet.
Wahrlich atemberaubend klang die Virtuosität von Andrea Ritter, ob in der avantgardistisch anmutenden Komposition von Meredith Monk "Window in 7’s" von 1986, vor allem aber im "Feu follet" – "Irrlicht" von Hans Wessely (1862 bis 1926). Irrlichternd schwirrten die hellen Flötenklänge durch den Raum, dem Kolibri gleich, mit leichter Hand getragen vom Piano, aber auch "freigelassen" zu unbeschwerten Höhenflügen, ein klingender Dialog voll Spannung, die sich auf die Zuhörenden schnell übertrug.

Ein Singen, Zwitschern und Gurren

Zweifellos ein musikalischer Glanzpunkt: "Jack" von Michael Nyman, 1999 als Filmmusik für "Wonderland" komponiert, von Andrea Ritter aus dem tiefen Bass der Paetzolt-Flöte in die mitreißend dynamische Kraft von zwei Sopranstimmen getragen, eine musikalische Wunderwelt, die niemanden im Publikum unberührt lassen konnte.

Dass Flötenmusik auch Hirtenmusik ist, zeigte das "Rondeau hongrois" von Ernest Krähmer (1795 bis 1837), in dem die Solopassagen der Flöte in ungeahnte Weiten Ungarns und sehnsuchtsvolle Klangwelten entführten.

Vom Schwirren des Kolibris bis zum Ruf des Kuckucks

Es war ein Singen, Zwitschern und Gurren in diesem "Bird’s Paradise", ob im "Junicanari" von Markus Zahnhausen aus dem Jahr 1991 oder im "Le Coucou" des Franzosen Louis-Claude Daquin (1694 bis 1772), aber auch im frühbarocken "Il Canario" von Fabritio Caroso (zirka 1525 bis 1605), das in der genialen musikalischen Partnerschaft von Piano und Flöte eine ganz neue und eigene Ausdruckskraft erhielt.

Dass "moderne" Musik nicht "sperrig" sein muss, zeigte das "If" von Michael Nyman aus dem Jahr 1995, das zum leisen Flug durch Raum und Zeit einlud. Richtig "funky" wurde der traumhafte Konzertabend durch das Duett auf zwei Paetzolt-Flöten, dem "Kubb Funk" des Schweden Göran Månsson von 2006, bei dem die Klappen der Bassflöten auch den Rhythmus angaben. Höchste Dichte und Spannung entstand in dem wahrhaft genialen Zusammenklang von leisen Vogelgesängen und einem pointierten Forte – ein kraftvoller, bis zum letzten Ton spannender Dialog zweier Instrumente und Interpreten, die deutlich machten, dass Musik auch Bilder in den Gedanken und Gefühlen der Zuhörenden malen kann, Bilder, die das Leben zum Klingen und Leuchten bringen.

Hans Würdinger

Quelle: Passauer Neue Presse vom 21. Oktober 2019
Wir danken der PNP für die freundliche Genehmigung der kostenlosen Nutzungsrechte auf unserer Website.

« Zurück | Nachrichten »