• Sie sangen mit jugendlich-frischen Stimmen von Liebeslust, Freude und Liebesleid: die Sopranistin Laura Braun und der Tenor Lars Tappert, am Klavier begleitet von Barbara Doblhammer. – Foto: Würdinger
    Sie sangen mit jugendlich-frischen Stimmen von Liebeslust, Freude und Liebesleid: die Sopranistin Laura Braun und der Tenor Lars Tappert, am Klavier begleitet von Barbara Doblhammer. – Foto: Würdinger

"Die Liebe ist’s nur allein"

Bezaubernder Liederabend von Liebesfreud’ und Liebesleid

22. Feb. 2020 –

Neuhaus am Inn. Unzählige Lieder und Arien erzählen von der Liebe, von Liebesfreud und Liebesleid, von Sehnsucht und Träumen, von Lust und Glück – umso mehr berühren diese Lieder, wenn sie von leidenschaftlichen Stimmen gesungen werden. Die Zuhörenden im Festsaal der Maria-Ward-Realschule konnten auf Einladung des Kulturfördervereins Neuhaus die Liebe in Zartheit und Macht musikalisch erspüren.

"Durch Zärtlichkeit und Schmeicheln" – diese Arie der Blonde aus der Oper "Die Entführung aus dem Serail" von Wolfgang Amadé Mozart stand thematisch leuchtend über dem bezaubernden Liederabend, an dem die junge, aus Beutelsbach stammende Sopranistin Laura Braun und der aus Coburg kommende Tenor Lars Tappert die Liebe in all ihren Facetten zum Klingen brachten. Romantisch war der Auftakt – zwei Liebeslieder von Robert Schumann, von Laura Braun mit tiefer Innigkeit gesungen, dann zwei weniger bekannte venezianische Lieder, in denen Lars Tappert seinen strahlenden Tenor entfalten konnte.

Dass Mozart der leichten Liebe und der Lebensfreude nicht abgeneigt war, zeigte sein erfrischend heiteres Lied "An Chloë" – die "Liebeswucht" war dagegen in Ludwig von Beethovens "Adelaide" mehr als deutlich zu spüren. Lars Tappert gab diesem Lied mit eleganter Stimmgewalt Tiefgang und bewegende Leidenschaft. Durch den Wechsel der Stimmen bekam das sehr fein abgestimmte Liedprogramm des Abends eine Dichte und Spannung, die sich auch auf die Zuhörenden übertrug, nicht zuletzt auch durch die behutsame Führung und Begleitung durch Barbara Doblhammer am Klavier.

Die Schärdinger Pianistin und Klavierlehrerin war sehr kurzfristig für den erkrankten Jeremy Ney eingesprungen. Nur wenige Stunden vor dem Konzert konnte Barbara Doblhammer mit den Sängern das Programm proben und erarbeiten, eine wahrhaft großartige musikalische Leistung, die durch das sofort spürbare gegenseitige musikalische Verstehen in Tempo und Interpretation den Liederabend zu einem starken Gesamterlebnis machte.

Gewaltiges, mühelos beherrschtes Stimmvolumen auch in den Höhen bewies Laura Braun in den leidenschaftlichen Liedern von Franz Schubert "Seligkeit" und "Du bist die Ruh". Dass es romantisch-innige Liebe gibt, "verlorene" Liebe, die auch den Abschiedsschmerz nicht beiseite lässt, davon erzählte mit Innigkeit und starker Präsenz Lars Tappert im "Frühlingstraum" aus der "Winterreise" von Franz Schubert.

Auch im Opernfach sind die beiden jungen Stimmen bereits bestens aufgehoben und brillant angelegt: Laura Braun gelang eine zauberhaft lyrische Interpretation der großen Arie der Blonde, ebenso Lars Tappert in der Arie des Tamino aus Mozarts "Zauberflöte" – bestens bekannt, unzählige Male gesungen und gehört, von Tappert mit jugendlicher Frische ganz neu akzentuiert. Große Opernmusik wurde zu klanglichen Kostbarkeiten geformt, dank der einfühlsamen Barbara Doblhammer am Klavier, dank Laura Tappert, die voll unbeschwert wirkender Lebenslust "Je veux vivre" aus "Roméo et Juliette" von Charles Gounod sang, dank Lars Tappert, der in der Arie des Don Ottavio "Dalla Sua Pace" in Mozarts "Don Giovanni" die Reife seiner Stimme zeigte.

Oper lebt von starken Duetten, eine starke Oper wie "La Traviata" von Giuseppe Verdi zeigt auch die dunklen Seiten der Liebe: "Parigi, o cara" ist ein fast schwermütiges Lied, und diese zarte Wehmut war auch bei Laura Braun und Lars Tappert zu erahnen – ein Duett mit wahrem Tiefgang.

Noch einmal unbeschwert heiter dagegen der Ausklang: "Lippen schweigen" – aus "Die lustige Witwe" von Franz Léhar – noch einmal die beiden jungen, noch "unverbrauchten" Stimmen, noch einmal brillanter, frischer Gesang, der nicht nur ins Ohr, sondern auch ins Herz der Zuhörenden ging, die von dem klangmächtigen Liebeszauber dank zweier großartiger Stimmen und einer meisterhaften Pianistin umfangen worden waren.

Dr. Hans Würdinger

Quelle: Passauer Neue Presse vom 22. Februar 2020
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