• Führten die Zuhörer in der Klosterkirche auf eine musikalische Reise durch das barocke Europa: (v.l.) Karin Gemeinhardt, Barbara Adamczyk und Markus Springer. | Foto: Würdinger
    Führten die Zuhörer in der Klosterkirche auf eine musikalische Reise durch das barocke Europa: (v.l.) Karin Gemeinhardt, Barbara Adamczyk und Markus Springer. | Foto: Würdinger

Barocke Kammermusik bereichert das Leben

Trio Cammerton konzertiert in der wieder hergestellten Neuhauser Klosterkirche – "Die Musik – der edelste Zeitvertreib"

28. Sep. 2020 –

Neuhaus am Inn. Es war das erste Konzert des Kulturfördervereins nach der Corona-bedingten Zwangspause und die erste Veranstaltung nach dem Abschluss der Wiederherstellungsarbeiten in der ehemaligen Klosterkirche in Neuhaus: Es gab Kammermusik des Barock, höfische musikalische Eleganz, zauberhaft interpretiert auf dem Cembalo, mit Fagott und dem eher selten zu hörenden Chalumeau, einer der Klarinette verwandten Flöte mit Rohrblatt.

Auch unter den gewissenhaft eingehaltenen Hygienevorgaben erlebten die Zuhörer eine heitere musikalische Reise durch das barocke Europa. Das Trio Cammerton, die aus Neuhaus stammende Karin Gemeinhardt, Virtuosin auf dem Barockfagott und der Blockflöte, Babara Adamczyk am Cembalo und Markus Springer auf dem Chalumeau führten ihre Zuhörer von Darmstadt über Dresden nach Frankreich, Böhmen und Italien.

Von Christoph Graupner (16983 bis 1760), dem Hofkapellmeister des Landgrafen von Hessen-Darmstadt, erklang ein Trio für Bass-Chalumeau, Fagott und Basso continuo, dessen dunkle Klänge im Zusammenspiel der beiden Holzblasinstrumente höfische Eleganz ausstrahlten. In der Sonata XXXIII des Dresdener Hofkapellmeisters Johann David Heinichen (1683 bis 1760) entfaltete Karin Gemeinhardt auf dem Fagott eine kraftvolle Klangfülle, die vom Cembalo behutsam akzentuiert wurde. Dass auch bereits in der Barockzeit Kompositionen den jeweiligen instrumentalen Möglichkeiten entsprechend arrangiert wurden, zeigten die drei Musiker auch in den Bearbeitungen von Werken des Franzosen Jean Philippe Rameau (1683 bis 1764), ursprünglich für Violoncello, Bass und Viole komponiert, die durch Fagott, Cembalo und Chalumeau eine neue Prägung erhielten. Der aus Böhmen stammende Johann Baptist Vanhal (1739 bis 1823) wirkte in der Spätzeit des Barock, bereits im Übergang zur Klassik. Dies zeigte sich auch in seinem von klaren Linien geprägten Trio für Holzblasinstrumente und Cembalo.

Dass die Mitglieder des Trios Cammerton auch solistische Virtuosität besitzen, zeigte Barbara Adamczyk mit der Sonate in c-moll des Italienischen Barockkomponisten Domenico Scarlatti (1685 bis 1757). Mit Georg Philipp Telemann (1681 bis 1767) der den Abend mit dem Titel seiner Kantate "Die Musik – der edelste Zeitvertreib" überschrieben hatte und dessen musikalisch leuchtenden Trio aus "Essercizii Musici" setzten die drei jungen Musiker noch einmal einen strahlenden Glanzpunkt an das Ende eines Konzertabends, der zeigte, wie wertvoll und notwendig Musik auch in Zeiten der vielfachen Beschränkung des kulturellen Lebens ist.

Dr. Hans Würdinger

Quelle: Passauer Neue Presse vom 28. September 2020
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